Wolff, Tobias: Erdmuthe von Pommern, 1600

Obverse: V G G ERDMVT G M Z BRAND HERTZ Z STET PO. [über T Strich]. Brustbild der Erdmuthe von vorn, leicht nach links gerichtet. Sie trägt eine hohe Bügelhaube, eine große Halskrause, ein reich besticktes Gewand und eine doppelte Kette mit Anhänger. Am Armabschnitt 1600 und Signatur TW (ligiert) für Tobias Wolff.

Stein, 6,09 g, 31-38 mm
Date: 1600

Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin
Accession 1926/192 Zugangsart Kauf

Medailleur/in:
Tobias Wolff
Dargestellte/r:
Erdmuthe von Brandenburg (1577-1600), Herzogin von Pommern-Stettin
Previous owners:
Dr. Richard Julius Erbstein

Publications: G. Habich, Die deutschen Schaumünzen des XVI. Jahrhunderts II-1 (1931) 305 Nr. 2145 Abb. 279 (dieses Stück); T. Hoffman, Die Gnadenpfennige und Schaugroschen des pommerschen Herzogshauses (1933) 44; J. Menadier, Schaumünzen des Hauses Hohenzollern (1901) Nr. 67; K. Regling, Neuerworbene Schaumünzen des Hauses Hohenzollern, Jahrbuch der preußischen Kunstsammlungen 49, 1927, 73 Nr. 1; A. von Sallet, Tobias Wolff der Breslauer Goldschmied, ZfN 8, 1881, 199; H. Bethe, Die Bildnisse des pommerschen Herzogshauses, Baltische Studien NF 39, 1937, 71-99; W. Cupperi - M. Hirsch - A. Kranz - U. Pfisterer (Hrsg.), Wettstreit in Erz. Porträtmedaillen der Renaissance (2013) 266 f. Nr. 182 (dieses Stück).

Provenience: Ankauf von Frau Geheimer Hofrat Erbstein aus dem Nachlass ihres Gatten.

In der Sammlung des Berliner Münzkabinetts befindet sich neben diesem Steinmodell auch eine aus zwei Teilen zusammengesetzte Goldmedaille. Die mindere Qualität der Medaille spricht, wie schon Regling (1927) feststellte, für einen Abguss möglicherweise durch einen Goldschmied nicht nach dem Modell, sondern einer bereits ausgeführten Medaille. Das Steinmodell dazu konnte aus dem Besitz Erbsteins 1926 von dessen Witwe zum Preis von 1.200 Mark für die Sammlung angekauft werden. Der goldene Gnadenpfennig war bereits 1849 von dem bekannten Numismatiker und Münzhändler J. F. Weidhas erworben worden und kostete damals immerhin 26 Reichstaler. Die Darstellung des Steinmodells zeigt das Brustbild der vorzeitig gealterten, im Jahre 1600 erst neununddreißigjährigen Erdmuthe von vorn, leicht nach links gerichtet. Die füllige Figur der Fürstin nimmt fast den gesamten Raum des ovalen Steins ein. Die hohe Bügelhaube, die modisch ausrasierte Stirn und die große Halskrause unterstreichen das lebensnah anmutende Porträt und lenken den Blick auf das Bild einer selbstbewussten Matrone. Ein fein besticktes Gewand und zwei schwere Ketten, verbunden durch einen Anhänger, zeugen vom Reichtum der Fürstin. Am Armabschnitt rechts am Rand finden wir die vertiefte Angabe der Jahreszahl 1600 und die Signatur 'TW' für Tobias Wolff. Auf der Rückseite des Gnadenpfennigs ist der neunfeldige Wappenschild der Herzogin in einer Rollwerkkartusche zu sehen. Die Umschrift 'HILF IHESV FROELICH ZVR SELICHKEIT BEREIT M DC' (OE ligiert) gibt nach Hoffmann nicht den Wahlspruch der Erdmuthe, sondern eine Gelegenheitsdevise wieder. Eine Kopie des Gnadenpfennigs befindet sich im Museum in Stettin (Szcezcin). - Erdmuthe von Pommern-Stettin wurde als älteste Tochter des brandenburgischen Kurfürsten Johann Georg (1525-1598) und seiner zweiten Gemahlin Sabina von Brandenburg-Ansbach am 26.6.1561 in Berlin geboren. Sie heiratete 1577 den Herzog Johann Friedrich von Pommern. Nach dem Tod ihres Gatten lebte Erdmuthe auf dem Schloss von Stolp. Die gebildete und den Wissenschaften zugewandte Fürstin erlangte Berühmtheit durch das für ihre Schwester Sophie, die Kurfürstin-Witwe von Sachsen, 1596 von ihr verfasstes Gebetbuch und die Verfolgung der Elisabeth von Doberschütz. Die Adlige war beschuldigt worden, die Herzogin verhext und unfruchtbar gemacht zu haben, was 1591 eine Verurteilung als Hexe und den Tod zur Folge hatte.

Photographer Obverse: Lutz-Jürgen Lübke (Lübke und Wiedemann)

Recommended Quotation: Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, 18200412

Latest Revision: 25.03.2019