Reinhart, Hans d. Ä.: Heilige Dreifaltigkeit, 1544

Obverse: PROPTER - SCELVS - POPVLI MEI - PERCVSSI - EVM ESAIAE - LIII. [AE ligiert]. Gott Vater thront in reichbestickten Krönungsmantel mit Krone, Zepter und Weltkugel. Auf seinen Knien das aufgelötete Kruzifix, auf dem die Taube des heiligen Geistes sitzt, beidseitig zwei auf Wolken stehende Engel. Auf der Fußplatte die Signatur H-R.
Reverse: REGNANTE MAVRITIO - D G DVCE SAXONIAE ZC GROSSVM - HVNC LIPSIAE HR CVDEBAT AN - MD XLIIII MENSE IANV. [AE, HR ligiert]. Auf einer von zwei Engeln gehaltenen Tafel in 22 Zeilen das athanasische Glaubensbekenntnis (Text siehe Kommentar). Oben der herzoglich-sächsische Wappenschild, unten stilisierte Wolken.

Silber, 268,68 g, 103 mm
Date: 1544

Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin
Accession Alter Bestand (vor 1839) Zugangsart Zugang ungeklärt

Medailleur/in:
Hans der Ältere Reinhart

Publications: G. Habich, Die deutschen Schaumünzen des XVI. Jahrhunderts II (1931) 283 Nr. 1962 Taf. 207,1; 209, 1; W. Steguweit in: S. K. Scher (Hrsg.), The currency of fame. Portrait medals of the Renaissance (1994) Nr. 127 mit Abb. (dieses Stück).

Silberguß. - Auf der Tafel der Medaillen-Rs. ist Folgendes zu lesen (tw. ligiert): HAEC EST / FIDES CATHOLICA / VT VNVM DEVM IN TRINI/TATE ET TRINITATEM IN / VNITATE VENEREMVR / ALIA EST PERSONA PATRIS / ALIA FILII ALIA SPIRITVS / SANCTI SED PATRIS ET FI/LII ET SPIRITVS SANCTI V/NA EST DIVINITAS AEQVA/LIS GLORIA COETERNA / MAIESTAS / O VENERADA VNITAS O / ADORANDA TRINITAS PER / TE SVMVS CREATI VERA / AETERNITAS PER TE SV/MVS REDEMPTI SVMMA TV / CHARITAS TE ADORAMVS / OMNIPOTENS TIBI / CANIMVS TIBI / LAVS ET GLO/RIA. Nach Habich ist die Tafelinschrift HAEC EST FIDES CATHOLICA VT VNVM DEVM IN TRINITATE ET TRINITATEM IN VNITATE VENEREMVR dem dritten Satz des Athanasianischen Glaubensbekenntnis entlehnt, die folgenden Worte bis MAIESTAS, mit unwesentlicher Umstellung, ebenfalls. Der Schluss O VENERANDA ... ist, wie Tentzel sagte „ein Seufzer der alten Kirche“ und, wenn man Domanig folgen möchte, einem kirchlichen Hymnus entnommen. Es ist strittig ob der „Moritzpfennig“ seine Entstehung einem kurfürstlichen Auftrag verdankt oder ob Reinhart das Stück aus eigener Initative anfertigte. Die Wappen lassen erstere Annahme pausibel erscheinen. Habich vermutet deshalb, daß die Anfertigung dieser Medaille im Zusammenhang mit dem Ausbruch des Schmalkaldischen Krieges steht. Da gerade von Kurfürst Moritz die Einigung mit der katholischen Seite anstrebte, schien das Athanasianische Bekenntnis dafür eine geeignete Grundlage zu bieten, denn die Trinitätslehre war für beide Konfessionen ein gemeinsamer Glaubenssatz. In der Tafelinschrift wird das Wort MAIESTAS besonders hervorgehoben und verweist auf den Typus der Darstellung der Dreifaltigkeit als „Gnadenstuhl“ auf der Vorderseite. Lit.: Habich II (1931) 283.

Photographer Obverse: Lutz-Jürgen Lübke (Lübke und Wiedemann)
Photographer Reverse: Lutz-Jürgen Lübke (Lübke und Wiedemann)

Recommended Quotation: Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, 18201146

Latest Revision: 25.03.2019