Katane

Münzstand: Stadt
Nominal: Tetradrachme
Datierung: um 410 v. Chr.
Münzstätte: Katane

Vorderseite: Viergespann (quadriga) mit Wagenlenker nach l., darüber fliegt Nike mit Kranz nach r., in der r. Hand eine Tafel mit Signatur EYAIN. R. steht eine Wendesäule, unter der Bodenlinie eine Krabbe. Unter den Pferdebeinen ein aufgewirbelter Stein.
Rückseite: KATANAIΩΝ. Kopf des jugendlichen Apollon mit Lorbeerkranz nach l. Das Haar ist im Nacken hochgesteckt, davor Band mit vier Schellen und einem Glöckchen, im Nacken eine Garnele.

Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin
Accession 1906 Löbbecke Kauf

Silber, Tetradrachme, 17,12 g, 26 mm, 7 h

Stempelschneider:
Euainetos
Vorbesitzer:
Arthur Löbbecke

Literatur: K. Regling, Die antike Münze als Kunstwerk (1924) Taf. 25 Nr. 544 (dieses Stück); J. Liegle, Euainetos. Eine Werkfolge nach Originalen des Staatlichen Münzkabinetts zu Berlin (1941) Taf. 11-12 (dieses Stück); Schultz (1997) Nr. 166 (dieses Stück); P. R. Franke - M. Hirmer, Die Griechische Münze (1964) Nr. 42 Taf. 14 (dieses Stück); A. Berthold - B. Weisser, Athen und Syrakus. Wirtschaftliches Denken und geniale Künstler, in: J. Völlnagel - M. Wullen (Hrsg.), Unsterblich! Der Kult des Künstlers (2008) 32 Abb. 18 (dieses Stück, um 410 v. Chr.); H. A. Cahn u.a., Griechische Münzen aus Großgriechenland und Sizilien. Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig (1988) Nr. 334; G. E. Rizzo, Monete Greche della Sicilia (1946) Taf. 14,6. - Vgl. zur Problematik des hochgeschleuderten 'Steins': W. Fischer-Bossert, Nachahmungen und Umbildungen in der sizilischen Münzprägung, SNR 77, 1998, 31 Anm. 22.

Die Prägung dieser Münzen muß vor der Zerstörung Katanes im Jahre 406 v. Chr. durch die Karthager eingesetzt haben. Sie wird überwiegend in die Jahre um 410 v. Chr. datiert und gilt als ein Hauptwerk des Euainetos. Der Stolz des Stempelschneiders, von dem auch Arbeiten aus Syrakus und Kamarina bekannt sind, kommt in der prominenten Anbringung seines Namens auf einem Täfelchen in Händen der Nike zum Ausdruck. Schellenglocken finden sich auch auf apulisch-rotfigurigen Vasen des späten 5. und 4. Jh. v. Chr., die Languste wurde auch als Flußgarnele angesprochen (Kriterien zur Identifizierung sind relative Größe zum Kopf und fehlende ausgeprägte Fühler). Viel diskutiert wurde der kreisrunde Punkt unter den Pferdebeinen. Eine Interpretation sieht in ihm einen vom Boden aufgewirbelten Stein, der die Pferde, vor allem das zweite von vorn und das hintere, scheuen läßt. Nach der Form zu schließen, könnte es sich um einen Pferdehuf handeln, der an falscher Stelle angebracht wurde und dann von Euainetos eventuell in diesen steinähnlichen Gegenstand umgearbeitet worden ist.

Fotograf Vorderseite: Reinhard Saczewski
Fotograf Rückseite: Reinhard Saczewski

Zitierweise für dieses Objekt: Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, 18206563

letzte Änderung: 28.11.2017