Napp, Anna Martha: Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen, 2015

Obverse: MUSE - MACHT. Aus dem Hintergrund reckt der Teufel seinen Kopf über die Medaille und führt die an Händen und Beinen von zwei Figuren befestigten Strippen. Die Figuren gehen mit weit ausholendem Schritt nach links. Rechts der Teufelsschwanz, unten Signatur.
Reverse: MONETEN. Teufel von hinten, sein Kopf über das Medaillenrund gebeugt. Er steht mit gespreizten Beinen auf einem Geldhaufen, den er durch Ausscheiden von Münzen stetig vergrößert. Münze vor seinem linken Huf mit Eurozeichen.
Rim: DER TEUFEL SCHEISST IMMER AUF DEN GRÖSSTEN HAUFEN

Bronze, 252,01 g, 74-85 mm
Date: 2015

Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin
Accession 2016/81 Zugangsart Schenkung

Medailleur/in:
Anna Martha Napp
Previous owners:
Numismatische Gesellschaft zu Berlin 1843 e.V. 2016 - 2016

Publications: A. Küter - B. Weisser, Kunst prägt Geld: MUSE MACHT MONETEN. Das Kabinett 16 (2016) 222 f. Nr. C 20 mit Abb. (dieses Stück).

Beitrag zur Medaillenedition und Ausstellung MUSE MACHT MONETEN. - Wer auf der Medaille von Anna Martha Napp die Macht hat, ist offenkundig: Es ist der Teufel, der hier die Strippen zieht. Als Machthaber kann er Künstler herumführen wie Marionetten. Diese gehorchen ihm willig wie Soldaten oder Söldner und lassen sich in ihrem Schaffen fremdsteuern. Dieses Ergebnis seines Tuns scheint ihn selbst zu belustigen, so als könne er nicht glauben, wie einfach sich Künstler und Kunst manipulieren lassen. Und während er versonnen auf sein Werk blickt, bleibt dies nicht ohne Folgen, wie die Rückseite anzeigt. Solange der Macht-Teufel die Kunst fest im Griff hat, produziert sie für ihn Moneten. Der Geldhaufen vergrößert sich stetig. Doch indem die Geldstücke - schon über die Inschrift auf dem Münzrand - mit dem Wort 'Scheisse' in Verbindung gebracht werden, macht die Künstlerin klar: Diese Verbindung von Kunst und Macht stinkt, sie bringt nur 'Mist' hervor. Macht-Geld stinkt. Die Randschrift 'Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen' zielt auf das auch als Matthäus-Effekt bekannte Phänomen ab, dass aktuelle Erfolge häufig nicht durch gegenwärtige, unmittelbar erbrachte und honorierbare Leistungen bedingt sind, sondern durch in der Vergangenheit erzielte und noch nachwirkende Erfolge. Napp geißelt damit auf ihrer Arbeit als Ungerechtigkeit, dass der Teufel – Repräsentant der Macht – dank der Schaffenskraft der Künstler in der Lage ist, 'Geld zu scheißen', dieses Geld jedoch keineswegs denen zufließt, die es erwirtschaftet haben. Es landet – unverdient – vielmehr bei ihm selbst und damit stellvertretend bei all jenen, die ohnehin schon wirtschaftlich gut gestellt sind. Solange Künstler sich derart benutzen und manipulieren lassen, so die Botschaft von Napps ironischer Medaille, muss sich der Teufel sein schelmisches Grinsen auch nicht verkneifen.

Photographer Obverse: Reinhard Saczewski
Photographer Reverse: Reinhard Saczewski

Godparenthood: Numismatische Gesellschaft zu Berlin

Recommended Quotation: Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, 18248789

Latest Revision: 26.03.2019